29. Oktober 2019

Ressourcen sparen durch natürliche Dämmstoffe

Eine innovative Wärmedämmung bei Gebäuden kann vielfältig zum Einsparen von Ressourcen beitragen

Eine moderne und gute Wärmedämmung von Häusern verringert den Energiefluss zwischen Haus und Umwelt und damit den Energieverbrauch eines Hauses enorm. Im Winter bleibt es warm und immer Sommer kühl. Das trägt auch direkt zum Schutz des Klimas bei und weist in der Bilanz Kosteneinsparungen auf, auch wenn eine energieeffiziente Sanierung erst einmal kostenintensiv ist. Zusätzlich bedeutet eine umfängliche Energiewende nicht nur den Ausbau von erneuerbaren Energien im Strombereich, sondern auch in der Wärmeversorgung von Gebäuden [1], sondern muss vorrangig zum Ziel haben den Energieverbrauch im gesamten zu senken.

Aktuell wird der Gebäudedämmung und der energieeffizienten Sanierung wieder mehr Beachtung geschenkt, auch in Hinblick die Klimaziele zu erreichen. Dabei wird nicht auf die gesamte Bilanz von Dämmmaterialien geschaut und zur Nutzung auch die Produktion und Entsorgung aufgenommen, welche beide mit Umweltauswirkungen verbunden sind. Insbesondere die Deponierung und Verbrennung von zurückgebauten Dämmmaterial setzt große Mengen Kohlenstoffdioxid frei, steht so den Klimazielen entgegen und verschwendet auch wiedernutzbare Ressourcen.  Voraussichtlich wird die Nachfrage nach Dämmstoffen in den nächsten Jahren weiter steigen. Um der Verschwendung entgegen zu wirken und die Klimaziele in dem Bereich effektiv zu unterstützen, startet die Deutsche Umwelthilfe das Projekt „Innovative Wärmedämmung“, um die Klimaschutzpotenziale sowohl bei der Nutzung als auch bei der Produktion und Entsorgung zu erschließen. Die Wiederverwendung von bisher genutzten Dämmstoffen spielt hier sicherlich auch eine große Rolle. Genauso müssen aber auch innovative Ideen und neue Dämmmaterialen beachtet werden.

Die Deutsche Umwelthilfe gibt selbst Ideen vor: Natürliche, nachwachsende Dämmstoffe. Gegenüber den am häufigsten genutzten Dämmstoffen Polystyrol – gemeinhin als Styropor bekannt – und Mineralwolle mangelt es bei den Naturdämmstoffen an Bekanntheit der vielen verschiedenen, nutzbaren Materialien. Dadurch sind auch noch signifikante Wissenslücken über die Vorteile in der Breite vorhanden. Da die bautechnischen und bauphysikalischen Eigenschaften bei der Auswahl des Dämmmaterials aber nicht immer voll berücksichtig bzw. miteinbezogen werden, wird das wohlbekannte primär verwendet. Die verschiedenen Naturdämmstoffe wie Stroh, Hanf, Schilf, Zellulose, Holz oder Schafswolle bleiben daher Nischenprodukte.

Dabei können die Naturdämmstoffe bei der Dämmwirkung gut mit den herkömmlichen Materialien mithalten. Nicht wenige haben die gleiche Wärmeleitfähigkeit wie Steinwolle oder Polystyrol und damit die gleiche Wirkung. Dies trifft auch auf die schallschützende Wirkung aus. Durch die hohe Schallabsorptionsfähigkeit werden Naturdämmstoffe schon länger beim Schallschutz eingesetzt. Anders als bei der wärme- und schalldämmenden Wirkung – sprich der Nutzung –unterscheiden sich die Naturdämmstoffe bei der Produktion und Entsorgung von ihrem synthetischen Pendant enorm. Die natürlichen Stoffe sind energiearm herzustellen und können einfach entsorgt und wiederverwendet werden. Das auch natürlichen Materialien bspw. zum Schutz vor Brand oder Schädlingen mit synthetischen Mitteln behandelt werden müssen, ändert an dieser Bilanz nichts. Denn auch Polystyrol ist brennbar und muss mit Flammschutzmittel behandelt werden. Früher war dies Hexabromocyclododecan (HBCD), welches giftig und krebserregend ist. Mittlerweile darf HBCD nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt werden, aber die Entsorgung des behandelten Dämmmaterials muss gesondert erfolgen. Chemische Stoffe zur Sicherheit insbesondere bei der Brandvorbeugung sind also bei allen brennbaren Stoffen enthalten. Hier kommt es auf die Wirkstoffe und ihre Resilienz sowie Schädlichkeit für Mensch und Umwelt an.

Damit wird deutlich, dass es umfassendere Betrachtung bei der Verwendung von Dämmstoffen geben muss. Die Ökobilanz eines Material muss dringend Einzug in Diskussion um die energieeffiziente Gebäudesanierung halten, um den Energieverbrauch und damit den Ressourcenverbrauch im gesamten zu verringern und nicht nur in einem Teilaspekt.


[1] Der Anteil der erneuerbaren Energien im Wärmebereich liegt mit 13 Prozent weit unter dem Anteil im Strombereich.

Autor*innen:
Tom Kurz

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