Die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist das Erreichen einer dauerhaft und global verträglichen Lebens- und Wirtschaftsweise. Dafür braucht es eine gesellschaftliche sozial-ökologische Transformation, welche sich an den planetaren Grenzen und dem Gemeinwohl orientiert. Eine Neuorientierung der Ressourcenpolitik ist ein zentraler Baustein dieses Prozesses – wir brauchen eine Ressourcenwende.

Ressourcenpolitik

ist als Querschnittsthema ein wichtiger Bestandteil einer Vielzahl anderer Politikbereiche. Daher sind sowohl Wissenschaft und Wirtschaft als auch Zivilgesellschaft regelmäßig mit verschiedensten Fragestellungen aus dem Themenkomplex konfrontiert und erarbeiten Positionen aus ihrer spezifischen Sicht heraus. Im aktuellen Diskurs zur Ressourcenpolitik fehlt jedoch oft eine Perspektive, die sowohl Forderungen globaler Gerechtigkeit als auch Ziele des Umwelt-, Biodiversitäts- und Klimaschutzes integriert. Zivilgesellschaftliche Organisationen, insbesondere Umwelt- und entwicklungspolitische Verbände, veröffentlichen bisher vergleichsweise wenige und wenn meist isolierte Betrachtungen zu einzelnen Themenbereichen der Ressourcenpolitik, z.B. Abfallwirtschaft oder Menschenrechte im Kontext des Rohstoffabbaus im globalen Süden.

Eine ganzheitliche Betrachtung und die Einordnung in den umwelt-  und entwicklungspolitischen Gesamtzusammenhang fehlen bislang. Auch deshalb gibt es bislang kaum Ideen für eine nachhaltige Ressourcen- und Rohstoffpolitik, die planetare Grenzen ebenso berücksichtigt wie Fragen globaler Verteilungsgerechtigkeit. Hier gilt es sich auszutauschen, gemeinsam zu forschen und darüber neue, bisher fehlende gesellschaftliche Perspektiven zu entwickeln.

Das Projekt Ressourcenwende  setzt hier an. 

Über die Analyse von offenen Fragen im ressourcenpolitischen Diskurs sowohl bei den zivilgesellschaftlichen Verbänden als auch in der Wissenschaft sollen diese Lücken gezielt bearbeitet und beispielsweise durch das Anstoßen von Debatten gefüllt werden. Dafür wird ein Austausch von Informationen und Positionen in drei Workshops und auf der Website als Diskussionsplattform initiiert.

Das Netzwerk möchte bewusst Forschungsinstitute der angewandten Nachhaltigkeitsforschung einbinden, die sich mit Fragen der sozial-ökologischen Transformation beschäftigen. Wir glauben, dass ein verstärkter Austausch mit Umwelt- und Entwicklungsorganisationen Forschende dabei unterstützen kann, gesellschaftliche Perspektiven besser in die Forschung für eine Ressourcenwende zu integrieren und nicht nur für, sondern gemeinsam mit den Verbänden zu forschen. Der Diskurs miteinander bietet die Chance, dass Forschende die Umwelt- und Entwicklungsorganisationen stärker als Zielgruppen ihrer Forschungsarbeit wahrnehmen und umgekehrt die Umwelt- und Entwicklungsorganisationen ihre Forschungsfragen konkreter formulieren und vielleicht sogar proaktiv in Forschungsprozesse einspeisen. Gemeinsam können leichter Forschungsfragen zu Themen identifiziert werden, die bislang noch nicht oder zu wenig untersucht wurden. Damit diese Vernetzung gestärkt wird, sollen alle wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen, die eine Ressourcenwende befürworten, in das Netzwerk integriert werden. Zielsetzung ist den Akteur*innen zu ermöglichen, zum einen eine eigene ressourcenpolitische Strategie zu entwickeln, politische Handlungsfenster zu identifizieren und Forderungen in die politischen Diskurse einzubringen. Zum anderen soll sichergestellt werden, dass eine breit aufgestellte und kritische zivilgesellschaftliche Stimme die Debatte im Kontext der nationalen und globalen Herausforderungen vorantreibt.

Der Projektverbund besteht aus drei Partnern:

dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und dem Deutschen Naturschutzring (DNR). Wir verstehen uns als Wegbereiter für neue Debatten und Ideen, die wir in einem neuen Netzwerk aus wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen zusammen formulieren wollen.

Wir müssen weg von der dominierenden Debatte über die Fragen von Versorgungssicherheit und Effizienz. Eine absolute Reduktion des Ressourcenverbrauchs (Suffizienz), ein Ausbau von Stoffkreisläufen sowie die Nutzungsverlängerung von Ressourcen (Konsistenz) im Kontext der klima- und umweltpolitischen Herausforderungen müssen einen viel prominenteren Platz in der Debatte bekommen. Letztlich muss es um einen transformativen Ansatz der Ressourcenpolitik an sich gehen, da dies das entscheidende Element für die Erreichung einer nachhaltigen, umwelt-, klima- und sozialverträglichen Gesellschaft ist. Dafür brauchen wir euch.