5. Mai 2020

Aktuelles aus dem Projekt

Aus ökologischer und sozialer Sicht ist die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts eine tiefgreifende Transformation derzeitiger Strukturen sowie der Produktions- und Konsummuster im Globalen Norden. Dieser Wandel muss sich an den planetaren Grenzen und den Zielen sozialer Gerechtigkeit sowie an globalen Zusammenhängen orientieren und dabei gleichzeitig zukunftsfähig sein. Unsere These ist: Ein zentraler Baustein einer Transformation unserer Wirtschafts- und Lebensweise im Globalen Norden erfordert einen konsequenten Kurswechsel beim Verbrauch natürlicher Ressourcen. Wir brauchen nichts geringeres als eine radikale Ressourcenwende. Für diesen Zweck wollen wir im deutschsprachigen Raum ein Netzwerk aufbauen, in welchem wir Forderungen und Visionen für eine suffizienzbasierte Ressourcenstrategie entwickeln und Wissenslücken identifizieren. Wir wollen in diesem Beitrag den aktuellen Arbeitsstand und die Prozesse im Netzwerk abbilden und damit Transparenz sowie Anknüpfungspunkte für eine Mitarbeit schaffen.

2. Workshop im September 2020

Auf den Ergebnissen der Arbeitsgruppen aufbauend wird dieses Jahr ein weiterer Workshop stattfinden. Ziel ist es hier, die bisherigen Prozesse im ganzen Netzwerk bekanntzumachen, da nicht alle Teilnehmenden des ersten Workshops im vergangenen Jahr aktiv an den Arbeitsgruppen mitarbeiten sowie die Prozesse mit Blick auf die weiteren Schritte reflektieren konnten. Darüber hinaus sollen Themenfelder hinsichtlich künftiger Handlungsmöglichkeiten betrachtet werden, bspw. die Schnittstelle Biodiversität hinsichtlich der „Conference of the Parties to the Convention on Biological Diversity“ (COP CBD). Die COP CBD 15 wurde aufgrund der aktuellen Situation in das Jahr 2021 verlegt.

AG Selbstverständnis und Themenfeldstrukturierung

Im ersten Workshop (November 2019) wurde immer wieder deutlich, dass eine starke und positive Vision von einer suffiziensbasierten, sozial gerechten und ökologisch verträglichen Wirtschafts- und Gesellschaftsform fehlt, auf die hingearbeitet werden kann. Dies zeigte sich auch darin, dass grundsätzliche Themen der Ressourcennutzung wie die Frage nach Zugang zu Ressourcen, Macht oder Eigentum im alltäglichen Arbeitsmodus nicht bearbeitet werden (können). Dies ergab sich aus einer Abfrage im ersten Workshop. Ein Mehrwert und eine Stärke des Netzwerkes wäre es, genau diese Lücke zu schließen. In der Ausarbeitung des Selbstverständnisses setzten wir einen Rahmen für eine solche Vision. Zusammen wollen wir den Zugriff auf Ressourcen so gestalten, dass ein gutes Leben für alle nachhaltig möglich ist, was auch heißt, ein neues Verständnis von Wohlstand zu etablieren. Das bedeutet außerdem, die historischen und aktuellen Ausbeutungsverhältnisse anzuerkennen und zu überwinden sowie die den Produktionsmustern zugrunde liegenden Machtstrukturen zu verändern.

Eine gesellschaftliche Vision zu entwickeln, ist ein komplexer Prozess, vor allem wenn dies nicht nur eine Utopie bleiben soll, sondern Wege und Maßnahmen aufgezeigt werden sollen, wie diese Vision zu erreichen ist. Um dies umsetzen zu können, sind mehrere Teilschritte nötig. In einem ersten Schritt haben wir ein Selbstverständnis erarbeitet, das das Netzwerk definiert sowie die Ziele und Grundsätze festlegt. Diese Ausarbeitung wird in den kommenden Schritten in den bisher aktiven Kreis des Netzwerkes gegeben und gemeinsam finalisiert.

Ein zweiter Schritt ist es, die Vision nicht nur als Ganzes, sondern auch für die gesellschaftlichen Teilbereiche zu entwickeln. Je nach Perspektive und Vorgehensweise können diese gesellschaftlichen Teilbereiche ganz unterschiedlich gesetzt werden. Um über das vorherrschende Silodenken (Landwirtschaft, Mobilität, Abfall etc.) der Umweltverbände hinauszugehen und eine ganzheitliche Herangehensweise zu fördern, suchen wir andere Ansätze, diese Teilbereiche zu definieren, bspw. über die Bedürfnisse des Menschen (Nahrung, Wohnen, Bildung) oder über die Ökosystemleistungen der Natur und Umwelt (Senkenfunktion, Flächenfunktion). Im Anschluss wollen wir die Themenfelder weiter vertiefen, d.h. für die jeweiligen Themenfelder Visionen für eine sozial-ökologische Transformation entwickeln.

Die AG wird von Benedikt Jacobs koordiniert. Bei Rückfragen oder Interesse schreiben Sie einfach eine Mail an: benedikt.jacobs@bund.net

AG Transdisziplinarität

Das Netzwerk bindet bewusst Forschungsinstitute der angewandten Nachhaltigkeitsforschung ein, die sich mit Fragen der sozial-ökologischen Transformation beschäftigen. Eine gezielte und verbesserte Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft und Wissenschaft hat unserer Meinung nach für beide Seiten Vorteile. Forschende können durch gemeinsame Diskussionen und die gemeinsame Entwicklung von Fragestellungen gesellschaftliche Perspektiven besser in die Forschung einbeziehen und eher Fragen erforschen, die stärker an den Bedürfnissen der Zivilgesellschaft ausgerichtet sind. Damit steigern sie den Nutzen ihrer Forschung. Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen können sich aktiv in die Entwicklung von Forschungsfragen einbringen und so Forschungsprozesse besser auf die drängenden Fragen der Ressourcenpolitik fokussieren. Aufbauend auf den Erfahrungen der Kooperation und des Auftausches möchten wir letztlich gemeinsam Leitplanken für eine nachhaltige Ressourcenpolitik entwickeln.

Unsere Forschung zeigt bislang, dass ein Perspektivwechsel schwerfällt und bestimmte Erwartungen an die Rollen und Aufgaben von Verbänden bzw. Forschungsinstituten vorherrschen. Weiterhin erschweren die unterschiedlichen Arbeitsweisen den Austausch bisher. Die Arbeitsgruppe Transdisziplinarität möchte dazu beitragen, diese Hürden zu überwinden und die Zusammenarbeit zu stärken.

Die AG wird von Franziska Mohaupt und Alexander Grossmann koordiniert. Bei Rückfragen oder Interesse schreiben Sie einfach eine Mail an: franziska.mohaupt@ioew.de oder alexander.grossmann@bund.net

ProgRess III

Im Dezember 2019 veröffentlichte die Bundesregierung den neuen Entwurf für die Fortschreibung des Ressourceneffizienzprogramms (ProgRess III). Im Zuge dessen hatten Verbände die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben. Als Netzwerk Ressourcenwende haben wir einen Teil dieser Stellungnahmen* gesammelt, um einen gebündelten Blick auf die Positionen der Verbände zu ermöglichen.

1. Workshop – November 2019

Im November 2019 fand der erste Workshop des Projektes mit knapp 30 Teilnehmenden aus der Zivilgesellschaft und Wissenschaft statt. Hiermit wurde ein Ansatzpunkt für den Austausch für beide Seiten geschaffen und über Rahmenbedingungen für eine bessere Zusammenarbeit diskutiert.

Themencluster Ressourcenpolitik auf Basis der Literaturrecherche, der Interviews und des ersten Workshops (In grün vermerkte Themen wurden von den Teilnehmenden während des Workshops ergänzt)

Darüber hinaus wurde der Forschungsstand des IÖW abgebildet und Thesen aufgestellt, die gemeinsam diskutiert wurden. Innerhalb der Debatte wurden die verschiedenen Themenfelder – Grundsatzfragen der Ressourcennutzung, Ressourcengerechtigkeit, Umweltschutz und übergreifende Themen der Ressourcennutzung – vorgestellt, die über die Literaturrecherche und Interviews des IÖW herausgefiltert wurden. Über die Ergänzung von Themen sowie der Abfrage, wer in welchem Bereich arbeitet und wo nach der Meinung der Teilnehmenden noch intensiver gearbeitet werden müsste, konnten wir Leerstellen und Wissenslücken in der ressourcenpolitischen Debatte identifizieren. Das Aufdecken von Leerstellen ist ein wichtiger Ansatzpunkt, um die Ressourcenpolitik stärker in der umweltpolitischen Debatte zu verankern. Ein dritter Aspekt des Workshops war die Definition der weiteren Zusammenarbeit. Hieraus entstanden zwei Arbeitsgruppen zu Selbstverständnis und Themenfeldstrukturierung sowie zu Transdisziplinarität.

Vorstudie – Mai 2019 bis Januar 2020

Im Rahmen einer ersten Bestandsaufnahme und zur Erarbeitung einer gemeinsamen Diskussionsgrundlage wurden das Handlungsfeld Ressourcenpolitik sowie zentrale Akteure aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft, die in diesem Bereich arbeiten, in den Blick genommen. Neben Diskussionen im Projektteam beinhaltete dies vor allem eine Literaturrecherche und 14 qualitative, leitfadengestützte Interviews mit Akteur*innen aus der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft. Die Ergebnisse in Form von Thesen wurden dann im ersten Workshop im November 2019 vorgestellt und mit den Teilnehmenden diskutiert (siehe 1. Workshop – November 2019). Die Ergebnisse der Diskussion flossen in die Erarbeitung eines Diskussionspapiers ein, welches im Januar 2020 veröffentlicht wurde. Im Diskussionspapier wurden Schwerpunktthemen der Ressourcenpolitik benannt und Themencluster identifiziert. Die Diskussion innerhalb des Workshops hat gezeigt, dass die Themenfelder unterschiedlich stark bearbeitet werden.

Autor*in:
Projektgruppe

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