Rohstoffpolitik ist ein komplexes und vielseitig bearbeitetes Themenfeld, wo sich Begriffe aus unterschiedlichen Bereichen wie Wirtschaft, Wissenschaft und Politik finden. Dieses Glossar dient als Nachschlagewerk für Begriffe und Abkürzungen aus dem rohstoffpolitischen Kontext. Damit bietet es zeitgleich auch eine Übersicht über zentrale Prozesse und Themen. Wir danken an dieser Stelle dem AK-Rohstoffe für das zur Verfügung stellen eines erheblichen Teils des Glossars.

Abbau von Ressourcen

Ressourcenabbau umfasst alle Verfahren, die genutzt werden, um Bodenschätze oder nachwachsende Rohstoffe zu gewinnen und zur weiteren Verarbeitung bzw. Nutzung bereitzustellen. Dabei ist häufig ein hoher Energieaufwand nötig. Zudem ist der Abbau in der Regel mit gravierenden negativen Auswirkungen auf das lokale Ökosystem verbunden. Im Verlauf des Abbaus werden zuerst die leicht zugänglichen Ressourcen abgebaut, später steigen der Aufwand und damit die Kosten, wenn sich die Förderung dem Fördermaximum (siehe Peak X) nähert bzw. dieses überschreitet. Häufig ist der Ressourcenabbau, besonders in Ländern des globalen Südens, mit Ressourcenkonflikten verbunden.

Abfallwirtschaft

Die Vermeidung von Abfall (zum Beispiel durch entsprechende Rahmensetzungen und Produktdesign), die Wiederverwendung und die Vorbereitung zur Wiederverwendung (Reuse und Reparatur), Verwertung (Recyling) und die Beseitigung von Abfall – diese vier Stufen umfassen den gesamten Abfallkreislauf. Die Vermeidung von Abfall steht dabei in der Abfallhierarchie an erster Stelle.

Abraum

Gestein, das keine derzeit nutzbaren Rohstoffe enthält und vor oder während der Gewinnung von Rohstoffen abgetragen werden muss.

Africa Mining Vision (AMV)

2009 von den Staats-und Regierungschef*innen der afrikanischen Staaten auf dem Gipfel der Afrikanischen Union beschlossen. Die AMV ist der Versuch einer Antwort afrikanischer Regierungen auf den auf dem Kontinent weitverbreiteten Widerspruch aus Rohstoffreichtum und tiefgreifender Armut. Die AMV ist dem Bergbau gegenüber positiv eingestellt, weshalb die Strategie von Teilen der afrikanischen Zivilgesellschaft kritisiert wird.

AK Rohstoffe

Der AK (Arbeitskreis) Rohstoffe ist ein Netzwerk deutscher Nichtregierungsorganisationen, die sich für Menschenrechte, soziale Standards und Umweltschutz einsetzen. Seit 2008 trifft sich der AK Rohstoffe regelmäßig und diskutiert angesichts der negativen Auswirkungen des Rohstoffabbaus über Ansätze einer zukunftsfähigen Rohstoffpolitik. Seit Mai 2013 gibt es ein Koordinationsbüro in Berlin.

Website des AK Rohstoffe

Auswirkungen auf die Umwelt

Die Förderung bzw. Gewinnung, Nutzung und Entsorgung jedes Rohstoffes hat Auswirkungen auf die Umwelt. Manche dieser Auswirkungen sind augenscheinlich, beispielsweise die Veränderung ganzer Landschaften durch die großen Braunkohletagebaue in Garzweiler und Welzow in der Lausitz. Andere Auswirkungen sind jedoch weniger offensichtlich wie der Eintrag von Schadstoffen in Luft, Wasser und Boden und die daraus resultierenden Beeinträchtigungen von Menschen, Tieren, Pflanzen sowie ganzer Ökosysteme. Durch den Kalibergbau an der Werra ist der Fluss der am stärksten mit Salz belastete Fluss in Mitteleuropa mit negativen Folgen für Flora und Fauna.

In den letzten Jahrzehnten konnten die negativen Auswirkungen der Rohstoffgewinnung und –nutzung in Deutschland insgesamt durchaus reduziert werden. Dies lässt sich begründen mit einem gestiegenen Bewusstsein für Umweltfolgen und der Einführung neuer Technologien wie Abgasfilter und Reinigungsverfahren. Global betrachtet hat die stetig steigende Nachfrage nach Rohstoffen jedoch verheerende Auswirkungen, beispielsweise durch Bergbauprojekte im Amazonas-Regenwald oder Fracking. Diese müssen miteinkalkuliert werden, wenn die Auswirkungen unseres Lebensstils bzw. Rohstoffverbrauchs auf die Umwelt abgeschätzt werden.

Aufgrund der weitreichenden und teilweise nicht absehbaren Folgen der Extraktion, Verarbeitung und Nutzung von (natürlichen) Ressourcen ist eine Abwägung der Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit geboten unter Berücksichtigung aller Interessen. Negative Auswirkungen sollten dann am anderen Ende der Welt ebenso wenig in Kauf genommen werden wie vor der eigenen Haustür.

BDI-Rohstoffkongress

Seit 2005 organisiert der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in unregelmäßigen Abständen und mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten den BDI-Rohstoffkongress. Ziel ist es, die Forderungen der Industrie nach Versorgungssicherheit durch Lobbyismus politisch zu verankern. Beispielsweise wurde immer wieder vor Rohstoffengpässen bei der Umsetzung von Industrie 4.0 gewarnt. Wichtige Fragen bezüglich der Unternehmensverantwortung bei der Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltstandards in den Rohstofflieferketten werden, wenn überhaupt, nur am Rande thematisiert.

Beiprodukt / Nebenprodukt

Metall, das bei der Produktion anderer Metalle entsteht und somit auf ein Hauptprodukt angewiesen ist bzw. mit diesem „vergesellschaftet“ ist. Die Technologiemetalle Indium und Germanium treten beispielsweise meist als Beiprodukte in der Zinkgewinnung auf. Die Verfügbarkeit von Indium und Germanium hängt demnach stark von der Produktion des Hauptprodukts Zink ab.

Bergbau

Der Abbau von Bodenschätzen im Tagebau oder Untertagebau. Unterschieden wird grob zwischen industriellem Großbergbau (Large Scale Mining) und Kleinstbergbau. Im Zusammenhang mit der Gewinnung von Rohstoffen wird immer wieder von gravierenden Menschenrechtsverletzungen berichtet. Laut einer Studie von 2008 im Auftrag des ehemaligen UN-Sonderbeauftragten für Wirtschaft und Menschenrechte John Ruggie, der die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte formuliert hat, entfallen knapp ein Drittel der Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen in der Wirtschaft auf den Bergbausektor.

Bergrecht

Das deutsche Bergrecht umfasst alle Rechtsvorschriften, die sich auf Bodenschätze und den Bergbau beziehen. Kernnorm des deutschen Bergrechts ist das Bundesberggesetz (BBergG). Darüber hinaus gibt es weitere Landesgesetze oder landesrechtliche Bestimmungen sowie verschiedene Rechtsverordnungen, Richtlinien und Weisungen, die einzelne rechtliche Anforderungen präzisieren und Bestimmungen für das bergrechtliche Verwaltungsverfahren konkretisieren.

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ist die zentrale Beratungseinrichtung des Bundes in rohstoff- und geowissenschaftlichen Themen. Außerdem ist das BGR als Forschungsinstitut tätig. Die Themenfelder umfassen unter anderem die Analyse der weltweiten Reserven an energetischen und mineralischen Rohstoffen sowie die Rohstoffverfügbarkeit. Außerdem erarbeitet das BGR Konzepte zur Erkundung und Nutzung natürlicher Ressourcen und liefert die Vorarbeit für industrielle Aktivitäten in der Lagerstättenforschung und im Tiefseebergbau.

Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) ist Bestandteil des BGR und dient als zentrale Beratungs- und Informationsplattform für die deutsche Wirtschaft. Dazu analysiert und bewertet die DERA die internationalen Märkte vor allem kritischer Rohstoffe hinsichtlich Preisen und Verfügbarkeit. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe gehört zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Bundesministerien (BMU und BMWi)

Ressourcenpolitik fällt in Deutschland in die Aufgabenbereiche des BMU (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) und des BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie).

Themenfelder des BMU sind unter anderem Ressourceneffizienz, Kreis- und Abfallwirtschaft, Bodenschutz und Altlastengesetze, Verbraucherinformationen durch Produktkennzeichnung und weitere Bereiche des Umweltschutzes. Darüber hinaus betriebt das BMUB eigene Forschung und vergibt Forschungsaufträge beispielsweise zu Ressourcenschonung und –effizienz. Ein zentrales Instrument in diesem Bereich ist das Ressourceneffizienzprogramm ProgRess.

Eines der Kernziele des BMWi ist Sicherstellung der Rohstoffversorgung deutscher Unternehmen durch Sicherung des Zugangs zu Rohstoffen durch Rohstoffpartnerschaften mit rohstoffexportierenden Ländern wie Kasachstan und Chile. Außerdem fällt das Bergrecht und damit die Regulierung und Förderung der Gewinnung inländischer Rohstoffe in den Aufgabenbereich des BMWi.

Club of Rome

Informelle Vereinigung aus Expert*innen mehrerer wissenschaftlicher Disziplinen aus über 30 Ländern. 1968 gegründet, befindet sich sein heutiger Sitz in der Schweiz. Der Club of Rome setzt sich mit den Ursachen vorherrschender sozialer, ökologischer und ökonomischer Krisen auseinander. Ein grundlegender Wertewandel ist laut Club of Rome die Voraussetzung, um die gegenwärtigen Krisen zu bewältigen. Die Expert*innen befassen sich unter anderem mit Themen des Rohstoffabbaus, der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen oder des Recyclings. 1972 erlangte der Club of Rome Bekanntheit durch den Bericht „Die Grenzen des Wachstums“, der erstmals auf der Basis von Computersimulationen die Spannung zwischen einer wachstumsorientierten Weltwirtschaft und der Endlichkeit der Ressourcen oder der Aufnahmekapazität der Atmosphäre thematisierte. Dieser Bericht gilt als erste bedeutsame Studie zur nachhaltigen Entwicklung (siehe SDGs).

Code of Conduct (Verhaltenskodex)

Mit Codes of Conducts setzen sich manche Unternehmen arbeits- und menschenrechtliche sowie Umweltstandards und fordern diese auch von ihren Zulieferbetrieben ein. Oftmals mangelt es den Kodizes jedoch an Verbindlichkeit, ferner sagt die Existenz eines Code of Conduct allein noch nicht viel über die Umsetzung entsprechender Standards in Lieferketten oder ihrer Kontrolle (Monitoring) aus.

Common Approaches

Recommendation of the Council on Common Approaches for Officially Supported Export Credits and Environmental and Social Due Diligence:

Im Rahmen der Außenwirtschaftsförderung nutzen Staaten unterschiedliche Instrumente (zum Beispiel Hermesbürgschaften), um Exporte und Auslandsinvestitionen inländischer Unternehmen zu fördern. Zusätzlich zu den 2011 verabschiedeten UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte formulieren die von der OECD 2012 entwickelten „Common Approaches“ einen internationalen Referenzrahmen für Umwelt- und Sozialprüfungen bei staatlich geförderten Exportkrediten. Staaten sind demnach aufgefordert, bei ihren exportfördernden Maßnahmen die UN-Leitprinzipien sowie die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen durchzusetzen. Aufgrund von häufigen Menschenrechtsverletzungen und negativen sozial-ökologischen Auswirkungen wirtschaftlicher Tätigkeiten fordert unter anderem der AK Rohstoffe, dass die Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten als Grundvoraussetzung für die Außenwirtschaftsförderung verbindlich festgeschrieben werden muss.

Compact with Africa

Prestigeprojekt der deutschen G20-Präsidentschaft, das 2017 unter Federführung des BMZ und des Finanzministeriums startete und private Investitionen in afrikanischen Ländern durch größere Rechtssicherheit, Verlässlichkeit der Besteuerung und Verringerung von elf Investitionsrisiken mit Hilfe internationaler Garantien fördern soll. Der CWA-Initiative liegt jedoch bislang keine umfassende Nachhaltigkeitsagenda zugrunde, die Investor*innen zur Einhaltung menschenrechtlicher und ökologischer Standards verpflichtet.

D-EITI

D-EITI ist die deutsche Umsetzung der EITI (globale Initiative für Transparenz im rohstoffgewinnenden Sektor). 2017 wurde der erste EITI-Bericht in Deutschland veröffentlicht. Er legt – auf freiwilliger Basis – die Zahlungen von rohstoffgewinnenden Unternehmen an den Staat sowie die entsprechenden Einnahmen staatlicher Stellen offen.

Dekarbonisierung

Als Dekarbonisierung versteht man das Ziel, Wirtschaftsweise und Produktion auf einen niedrigeren Umsatz bzw. Ausstoß an Kohlenstoff - bis hin zur CO2-Neutralität - umzustellen. Der Begriff tauchte im Zuge der Diskussion um die globale Erwärmung und deren Begrenzung in den vergangenen Jahren und besonders nach dem G7-Gipfel 2015 in Elmau auf. Dem Konzept liegt häufig die (implizite) Annahme zu Grunde, dass Kohlenstoffdioxid die einzige oder zumindest größte Herausforderung der Umwelt- und Klimapolitik im 21. Jahrhundert darstellt. Kritisch ist zudem die weit verbreitete Einbeziehung von Kohlenstoffspeichertechniken (CO2-Abscheidung) in die Gesamt-CO2-Bilanz – eine Technologie, die derzeit weder serienreif noch risikofrei ist.

Dematerialisierung

Dieser Begriff, der oftmals auch im Kontext von Industrie 4.0 verwendet wird, bezeichnet die Reduzierung der eingesetzten Primärrohstoffe (Materialverbrauch und Energieverbrauch) zum Beispiel für die Herstellung eines Produkts. Dematerialisierung verspricht also die Senkung des Rohstoffverbrauchs. Dieser im konkreten Fall oft berechtigten Hoffnung stehen jedoch oft im Gesamtsystem Rückkopplungseffekte (Rebound-Effekte) entgegen.

Deponie

Ober- oder unterirdischer Lagerplatz von Abfällen unterschiedlicher Art. Deponien werden inzwischen auch als Lagerstätten für Urban Mining betrachtet. Sie können jedoch auch Schauplatz von Menschenrechtsverletzungen sein, zum Beispiel Elektromüll-Deponien.

Economic Partnership Agreement (EPA)

Freihandelsabkommen der EU mit Ländern im Pazifik, in Afrika und in Lateinamerika. Dabei sollen die Märkte weitreichend für Importe (Einfuhren aus der EU) geöffnet und der Rohstoffzugang gesichert werden. Die Möglichkeiten für Staaten, Exportzölle zu erheben, werden zum Teil drastisch limitiert.

Edelmetalle

Dazu gehören unter anderem Gold, Silber, Platin oder Palladium. Im Unterschied zu unedlen Buntmetallen sind sie chemisch stabil, was bedeutet, dass sie nicht mit Luftsauerstoff reagieren, also sie nicht oxidieren.

Elektromobilität (E-Mobilität)

Elektrische Antriebe auf Batteriebasis, die den Erdöl- oder Erdgasantrieb ersetzen sollen. Wenn der Strom erneuerbar erzeugt wird, würde dies zu einem drastisch verringerten Bedarf insbesondere an Erdöl führen. Der Abbau von Erdöl geht mit massiven Menschenrechtsverletzungen einher, ist einer der wichtigsten Kriegsgründe und eine der Hauptursachen der menschengemachten Klimakrise. Ähnlich wie beim Prozess der Digitalisierung werden allerdings auch für die Elektromobilität Metalle wie Lithium, Kupfer oder Kobalt in großen Mengen benötigt. Auch deren Abbau geht häufig mit gravierenden Menschenrechtsverletzungen einher.

Emissionen und Immissionen

Emissionen (vom lateinischen emittere, herausschicken) sind alle Störfaktoren, die durch menschliche Aktivitäten in die Umwelt gelangen. Immissionen (vom lateinischen immittere, hineinschicken) hingegen sind Störfaktoren, die aus der Umwelt auf den Menschen (oder seine Umwelt) einwirken. Emissionen und Immissionen können Schadstoffe, Schallwellen, Strahlungen oder Erschütterungen sein. Jede Immission lässt sich theoretisch auf eine oder mehrere Emissionsquellen zurückführen, praktisch sind diese jedoch oft diffus oder Emissionen überlagern sich.

Eines der primären Ziele des Umweltschutzes ist es, die Emissionen und damit die negativen Folgen für die Umwelt zu verringern. Nachträglich können die negativen Folgen mit großem Aufwand nur begrenzt und selten ganz rückgängig gemacht werden, beispielsweise wenn Schadstoffe in ein Ökosystem gelangt sind. Der zentrale deutsche Gesetztext ist das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG). Dieses regelt zusammen mit zahlreichen spezifischen Durchführungsverordnungen (BImSchV) die Anforderungen an die Emissionen verschiedener Industrieanlagen sowie den Genehmigungsprozess.

Entkopplung (relative - absolute)

Von relativer Entkopplung spricht man, wenn der Rohstoffverbrauch geringer wächst als die Wirtschaft und dadurch der Verbrauch pro Wirtschaftsleistung sinkt (siehe auch Ressourceneffizienz).

Absolute Entkopplung bedeutet, dass der Rohstoffverbrauch bei steigender Wirtschaftsleistung konstant bleibt oder sogar sinkt.

Erdüberlastungstag / Earth Overshoot Day

Mit einem Konzept des Global Footprint Network wird berechnet, wie viele Ressourcen der Weltbevölkerung theoretisch in einem Jahr zur Verfügung stünden, so dass diese Ressourcen wieder regeneriert werden können. Der Kalendertag im Jahr, an dem diese gesamten nachhaltig nutzbaren Ressourcen der Erde für das entsprechende Jahr bereits verbraucht sind, wird Erdüberlastungstag genannt.

Extraterritoriale Staatenpflichten, Extraterritorial Obligations (ETOs)

(vollständig: Maastrichter Prinzipien zu extraterritorialen Staatenpflichten im Bereich der Wirtschaftlichen, Sozialen und Kulturellen Rechte)

Prinzipien, die im Jahr 2011 von Vertreter*innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und UN-Sonderberichterstatter*innen verabschiedet wurden und sich aus bestehendem Völkerrecht ableiten. Sie besagen, dass die Pflicht eines Staates, Menschenrechte zu achten, zu schützen und zu gewährleisten, nicht an den nationalen Grenzen endet. Staaten haben auch gegenüber Menschen in anderen Ländern menschenrechtliche Verpflichtungen, beispielsweise wenn die Tätigkeiten eines inländischen Unternehmens, das im Ausland wirtschaftet, negative Auswirkungen auf die Bevölkerung vor Ort haben. Die Maastrichter Prinzipien sind kein offizielles UN-Dokument, sondern eine wichtige Interpretation bestehender menschenrechtlicher Verpflichtungen. Im Juni 2017 veröffentlichte der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte Überlegungen zu und Argumentationen für verbindliche menschenrechtliche Sorgfaltspflichten und orientierte sich dabei an den Maastrichter Prinzipien.

Fossile Rohstoffe / Fossile Energieträger

Dazu gehören Erdöl, Erdgas, Shalegas, Stein- und Braunkohle sowie Teersand. In fossilen Energieträgern ist die Energie gespeichert, die Lebewesen in vergangenen Zeiten durch Fotosynthese aus dem Sonnenlicht gewonnen haben. Sie zählen zu nicht-erneuerbaren Rohstoffen. Um die Klimaziele von Paris zur Eindämmung der globalen Klimakrise zu erfüllen, dürften global ab Mitte des Jahrhunderts keine fossilen Rohstoffe mehr verbrannt beziehungsweise zumindest die entsprechenden Emissionen nicht freigesetzt werden.

Fracking (Hydraulic Fracturing)

Risikotechnologie, mit der seit einigen Jahren sogenannte unkonventionelle Erdöl- und Erdgasvorräte gefördert werden, die vormals nicht förderfähig waren. Die Rohstoffvorkommen sind in feinporigen Gesteinsschichten wie Schiefer oder dichtem Sandstein eingeschlossen. Das Gestein muss zunächst aufgebrochen werden, um die fossilen Rohstoffe freizusetzen und förderbar zu machen. Dazu werden große Mengen an Wasser in Kombination mit einem Gemisch aus teils giftigen Chemikalien und Sand in den Untergrund gepumpt. Neben dem Erdgas oder Erdöl kommt auch das zum Aufbrechen des Gesteins nötige Wasser-Chemikalien-Gemisch wieder an die Oberfläche. Dieser „Flowback“ kann je nach Untergrund giftige Schwermetalle oder radioaktiv belastetes Material mit an die Oberfläche befördern. Neben der zusätzlichen Menge an freigesetzten Treibhausgasen besteht eine große Gefahr beim Fracking in der Verunreinigung von Grundwasservorkommen im Bereich der Bohrung.

Gemeinsames Erbe der Menschheit

Durch dieses Konzept sollen globale Gemein-„Güter“ (also Kollektivgüter, von dessen Nutzen alle Menschen profitieren), wie die Meere (Hohe See), der Weltraum, die Antarktis oder die Atmosphäre, vor nationalen Souveränitätsansprüchen geschützt werden. Es wurde im Zeitgeist der 1960er-Jahre entwickelt und seitdem in vier internationalen Abkommen (UN-Weltraumvertrag, das Seerechtsübereinkommen der UN, Antarktis-Vertrag, Welterbekonvention) verankert. Kollektiv kontrollierte Rohstofflagerstätten, wie zum Beispiel Rohstoffe in der Hohen See zur Nutzung durch den Tiefseebergbau, können somit nicht exklusiv von einem Staat beansprucht werden.

German Mining Network (Netzwerk Rohstoffe)

Netzwerk aus DERA, GTAI, DIHK und den sechs Rohstoffkompetenzzentren in Australien, Brasilien, Chile, Kanada, Peru und Südafrika. Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) unterstützt die Arbeit des Netzwerks. Ziel des Netzwerks ist es, der deutschen Wirtschaft beratend und unterstützend zur Seite zu stehen. Dabei geht es um die Verbesserung des Rohstoffzugangs für deutsche Unternehmen im Ausland, die Analyse von Marktrisiken oder die Vernetzung mit relevanten Partnern in den für den Rohstoffabbau relevanten Ländern.

Germany Trade and Invest (GTAI; Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH)

GTAI ist die Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik Deutschland und dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) zugeordnet. Sie unterstützt deutsche Unternehmen bei ihren Vorhaben im Ausland und gibt ihnen Auskunft über die weltweite Wirtschaftslage, Branchentrends, Rechts- und Zollregelungen, Ausschreibungen oder Geschäfts- und Kooperationswünsche ausländischer potentieller Partner. Außerdem ist die GTAI Teil des German Mining Network.

Globaler Süden / Norden

Diese auch, aber nicht ausschließlich geografisch gedachte Einteilung verweist auf die unterschiedlichen Erfahrungen mit Kolonialismus und Ausbeutung. Globaler Süden beschreibt dabei die im globalen System benachteiligte gesellschaftliche, politische und ökonomische Position; Globaler Norden die mit Vorteilen bedachte, privilegierte Position. Der Begriff ist in Abgrenzung zu Begriffen wie „Entwicklungsland“, „Schwellenland“ und „Industrienation“ entstanden, da diese auf vermeintlich unterschiedliche „Entwicklungen“ verweisen und somit eine Hierarchisierung und Wertung implizieren.

Green Economy

Dem Konzept der Green Economy (ähnliche Begriffe: Green Growth, Green New Deal) liegt die Vorstellung zugrunde, dass die Wirtschaft „grün“, also nachhaltig und ressourcenschonend wächst, wenn die richtigen politischen Anreize geschaffen werden. Große Hoffnungen werden in eine sogenannte Entmaterialisierung der Wirtschaft gesteckt, bei der zum Beispiel durch Wachstum bei Informationstechnologien, Digitalisierung und Dienstleistungen Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch entkoppelt werden können. Die Schlussfolgerung ist, dass die Wirtschaft aus den Problemen, die sich aus einem begrenzten Ökosystem Erde ergeben, durch neue Technologien einfach herauswachsen könnte. 

Dem widersprechen empirische Erfahrungen, dass Effizienzsteigerungen in der Praxis nicht zu einer Reduktion des Verbrauchs, sondern zu einer Ausweitung des Konsums führen (siehe Rebound-Effekt). Stattdessen weckt Green Economy falsche Hoffnungen, dass ein Weiter so möglich ist, ohne radikale Änderungen zum einen an unserem Wirtschaftssystem, das ohne Wachstum nicht funktioniert, und zum anderen an unserem Lebensstil, für den es im globalen Maßstab einfach zu wenige Ressourcen gibt.

Dem stehen die Diskurse um Postwachstums-Ökonomie und Degrowth entgegen. Diesen Ansätzen ist die Erkenntnis gemein, dass Wirtschaftswachstum eher Teil des Problems als Teil der Lösung ist und sich nicht vereinbaren lässt mit der Notwendigkeit, den Ressourcenverbrauch insgesamt zu verringern.

Handelshemmnisse (tarifäre/nichttarifäre)

Handelshemmnisse (tarifäre/nicht-tarifäre) gelten im marktwirtschaftlichen Kontext als Einschränkung des internationalen Freihandels. Zu tarifären Handelshemmnissen zählen unter anderem Import- und Exportzölle, Gebühren, Abgaben oder Subventionen. Als nichttarifäre Handelshemmnisse werden Quoten, Lizenzen, Verbote, Auflagen wie zum Beispiel Local-Content- Klauseln, Kennzeichnungsvorschriften angesehen, aber auch Standards wie Sicherheits-, Umwelt- oder Sozialstandards. Industrieverbände wie der BDI fordern, tarifäre und nichttarifäre Handelshemmnisse mit Hilfe von Freihandelsabkommen abzubauen. NGOs fordern, dass insbesondere Staaten im Globalen Süden frei über das Erheben zum Beispiel von Import- und Exportzöllen entscheiden können müssen, um ihre heimische, noch junge Industrien zu schützen.

Hermesbürgschaften (Exportkreditgarantien)

Mit diesem Instrument der Außenwirtschaftsförderung (AWF) sichert die Bundesregierung die Exporte und Investitionen von deutschen Unternehmen in als politisch und wirtschaftlich instabil geltende Regionen ab. Bei einem Zahlungsausfall springt die staatliche Bürgschaft ein, sodass die Unternehmen einem geringeren Risiko ausgesetzt sind. Die Bundesregierung fordert den ausstehenden Betrag seinerseits ein und übt Druck aus, zum Beispiel durch die Androhung der Kürzung von Entwicklungsgeldern. Mit Hermesbürgschaften sollen neue oder „schwierige“ Märkte erschlossen, der Export gefördert und die inländische Wirtschaft gestärkt werden. Mit diesem Instrument wird auch der Export von Maschinen und Anlagen, die im Bergbau eingesetzt werden, gefördert. Hermesbürgschaften sind insbesondere dort umstritten, wo 19 Garantien für Projekte gegeben wurden, deren menschenrechtliche Auswirkungen nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Der AK Rohstoffe fordert aus diesem Grund eine verantwortungsvolle AWF, die Ausschlusskriterien formuliert, Transparenz und parlamentarische Kontrolle gewährleistet und Menschenrechte achtet.

Hütte

Industrieller Betrieb, in dem die Verhüttung, also die Gewinnung von Metallen aus Erz, stattfindet. Dafür werden unterschiedliche Verfahren genutzt, welche sich jeweils die chemischen und physikalischen Eigenschaften der Rohstoffe zunutze machen (zum Beispiel ihre Hitzebeständigkeit oder Reaktivität mit Flüssigkeiten). Die Hütte befindet sich an der Schnittstelle zwischen Upstream und Downstream und spielt daher in der Rohstoffpolitik eine besondere Rolle.

ILO-Konvention 169

Das Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organization, ILO) ist das einzige völkerrechtlich verbindliche Abkommen, das dem Schutz der Rechte indigener Völker gewidmet ist und unter anderem die Landrechte indigener Gruppen anerkennt (siehe FPIC). Die Konvention existiert bereits seit 1989, sie wurde jedoch erst von 22 Staaten ratifiziert.

Interministerieller Ausschuss Rohstoffe (IMA Rohstoffe)

In diesem Gremium werden die Aktivitäten der Bundesregierung im Bereich Rohstoffe koordiniert. Der IMA wird durch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) geleitet und unter anderem durch das Bundesentwicklungsministerium (BMZ), das Bundesumweltministerium (BMU) und das Auswärtige Amt unterstützt. Das BMWi sieht Rohstoffpolitik als eine „Querschnittsaufgabe“, „die zahlreiche Politikbereiche“ betrifft. Der IMA tagt nicht öffentlich. Die Zivilgesellschaft ist in diesem Gremium nicht vertreten. Hingegen arbeitet der BDI seit der Neukonstituierung des IMA 2007 als Sachverständiger mit. Der AK Rohstoffe kritisiert die mangelnde Transparenz und einseitige Beteiligung der Wirtschaftsverbände bei gleichzeitigem Ausschluss der Zivilgesellschaft im IMA.

Kleinstbergbau (Artisanal Mining)

Im Kleinst- oder artisanalen Bergbau werden die Arbeiten im Gegensatz zur industriellen Produktion mit einfachen, nicht industriellen Methoden (zum Beispiel mit Handwerkzeugen) verrichtet. Laut Weltbank leben rund 100 Millionen Menschen weltweit vom Kleinstbergbau. Wenn große Unternehmen den Rohstoffabbau auf einem Gebiet betreiben möchten, auf dem zuvor viele Menschen im Kleinstbergbau tätig waren, kommt es häufig zu Vertreibungen und weiteren Problemen (zum Beispiel mangelnde Entschädigung für Verlust der Lebensgrundlage). Allerdings verstoßen die Arbeitsbedingungen ebenso wie die Umweltauswirkungen (zum Beispiel durch die Verwendung von Zyanid beim Goldabbau) im Kleinstbergbau oft gegen Menschenrechte und Umweltschutzbestimmungen.

Kobaltkrusten

Mineralische Rohstoffe, die in Tiefen von 1.000 bis 3.000 Metern in der Tiefsee lagern. Sie bilden sich als steinharte, metallhaltige Beläge von bis zu 25 Metern Dicke an den Hängen von untermeerischen Vulkanen. Schätzungen zufolge gibt es weltweit mindestens 33.000 solcher Vulkane. Kobaltkrusten haben sich über Millionen von Jahren entwickelt und enthalten Metalle wie Mangan, Kobalt, Nickel, Platin, Seltene Erden oder Molybdän (siehe Tiefseebergbau), sind aber gleichzeitig Grundlage einer einmaligen marinen Biodiversität.

Konfliktrohstoffe

Als Konfliktrohstoffe werden Bodenschätze wie Metalle und Minerale (seltener auch andere natürliche Ressourcen oder Waren) bezeichnet, die in Konfliktregionen außerhalb staatlicher Kontrolle gefördert werden. Damit sind in der Regel verschiedene Menschenrechts- und Völkerrechtsverletzungen, zum Beispiel Kinderarbeit und Menschenhandel, sowie schwere Umweltschäden verbunden. Die Förderung findet unter der Kontrolle bewaffneter Milizen oder Rebellengruppen statt, die Erlöse fließen direkt oder indirekt in die Fortsetzung militärischer Konflikte. Häufig ist die Kontrolle über Rohstoffvorkommen Bestandteil oder sogar Auslöser des Konfliktes, der dann wiederum mit diesen Rohstoffen finanziert wird.

Die meisten Konfliktrohstoffe werden in Afrika in Kleinstbergwerken gefördert, beispielsweise Zinn, Coltan und Wolfram. Auch ein Teil des im Nahen und Mittleren Osten geförderten Rohöls fällt in diese Kategorie. Expert*innen gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil der produzierten und in Deutschland verkauften Elektro(nik)geräte wie zum Beispiel Smartphones mehrere Konfliktrohstoffe enthalten.

Kreislaufwirtschaft

Dem Konzept der Kreislaufwirtschaft liegt die Tatsache zu Grunde, dass die Ressourcen der Erde begrenzt und dem aktuellen Trend nach in einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten aufgebraucht sein werden (siehe Peak X). Die Produktions- und Konsumptionsprozesse müssen demnach einen Kreislauf bilden, in den so wenig wie möglich neue Ressourcen eingehen und idealerweise keine Abfälle anfallen. Das Gegenteil stellt die Linearwirtschaft dar, bei der Rohstoffe bzw. Produkte nach der Nutzung deponiert oder verbrannt werden.

Wichtige Instrumente einer Kreislaufwirtschaft sind das Recycling und die Kaskadennutzung, bei der ein Rohstoff nacheinander auf mehreren Stufen des Produktionsprozesses eingesetzt wird. Die Nutzung erneuerbarer Energieträger ist eine wichtige Voraussetzung einer Kreislaufwirtschaft, da fossile Energieträger nach der Nutzung unwiederbringlich verloren sind. Die Bestrebungen müssen jedoch darüber hinaus auf alle gesellschaftlichen Bereiche wie Verkehr, Wohnen und Konsumgüter ausgeweitet werden. Ansätze einer Kreislaufwirtschaft sind in Deutschland das Pfandsystem für Getränkeflaschen  sowie Mülltrennung und –recycling der Verpackungsverordnung.

Lagerstätte

Wenn sich der Abbau eines mineralischen Rohstoffes wirtschaftlich lohnt, bezeichnet man den Bereich der Erdkruste, in dem sich dieser Rohstoff konzentriert hat, als Lagerstätte (juristisch auch: Bodenschatz).

Landfill Mining

Landfill Mining ist ein Teilbereich des Urban Minings. Ziel ist die Rückgewinnung von Rohstoffen aus bereits bestehenden Deponien, um neue Rohstoffquellen zu erschließen.

Large Scale Mining

siehe Bergbau

Lieferkette

Die Lieferkette bezeichnet den Weg vom Rohstoff über Zwischenprodukte bis zum fertigen Produkt. An diesem Weg sind häufig zahlreiche Zulieferer beteiligt; bei der Lieferkette eines Unternehmens handelt es sich also häufig um ein weit verzweigtes Netzwerk. Im Bereich der metallischen Rohstoffe unterteilen sich Lieferketten in den Upstream-Bereich, also vom Bergbau zur Verhüttung, und in den Downstream-Bereich, also von der Verhüttung zum fertigen Produkt. In Deutschland ist die Industrie auf Importe von Rohstoffen und Zwischenprodukten aus der ganzen Welt angewiesen. Der AK Rohstoffe fordert deshalb, dass deutsche Unternehmen entlang ihrer gesamten Lieferkette auf die Einhaltung von menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten verpflichtet werden müssen, um Menschenrechtsverletzungen einschließlich Konfliktfinanzierung mittel- bis langfristig zu verhindern.

Maastricht-Prinzipien zu extraterritorialen Staatenpflichten

siehe Extraterritoriale Staatenpflichten

Manganknollen

(auch polymetallische Knollen genannt)

Mineralische Rohstoffe, die in Tiefen von 4.000 bis 6.000 Metern in den Ozeanen lagern. Die kartoffelgroßen, schwarzen Klumpen sind in mehreren Ozeanen zu finden und enthalten Metalle wie Mangan, Nickel, Kupfer, Lithium, Kobalt, Molybdän und Neodym. Sie sind gleichzeitig Orte einer einzigartigen, kaum erforschten Biodiversität. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat im Jahr 2006 für die Bundesrepublik Deutschland mit der Internationalen Meeresbodenbehörde einen Vertrag über die Exploration von Manganknollen im zentralen Nordostpazifik geschlossen. Der Vertrag läuft bis 2021 und das Gebiet umfasst 75.000 Quadratkilometer. Die BGR wurde von der Bundesregierung dazu beauftragt, die Explorationen durchzuführen.

Mariana

Die Bergbaustadt Mariana in Brasilien steht beispielhaft für Umweltkatastrophen durch das Versagen von Rückhaltebecken. Hier brach im November 2015 das Rückhaltebecken einer Eisenerzmine und entließ 62 Millionen Kubikmeter Schlamm mit Arsen, Kupfer, Aluminium, Blei und Quecksilber in die angrenzende Region. 19 Menschen starben, der Fluss Rio Doce wurde auf einer Länge von 650 Kilometern verseucht.

Marikana-Massaker

Im August 2012 wurden 34 streikende Bergarbeiter einer Platinmine in Südafrika erschossen, als sie für höhere Löhne und bessere Lebensbedingungen streikten. Das Bergwerk in Marikana gehört dem britischen Unternehmen Lonmin, zu dessen größten Abnehmern für Platin das deutsche Chemieunternehmen BASF gehört.

Nachhaltigkeit

Der Begriff der Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts. Die Ressource Holz sollte nur in dem Maße genutzt werden, in dem sie nachwachsen kann. 1987 definierte ein UN-Bericht nachhaltige Entwicklung als „eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht und dabei die Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht einschränkt.“ 1992 wurde nachhaltige Entwicklung als Leitkonzept im Rahmen der Agenda 21 verankert und 1997 in der EU durch den Vertrag von Amsterdam in Form des Drei-Säulen-Modells spezifiziert. Nachhaltigkeit betrachtet demnach die Dimensionen Wirtschaft, Soziales und Umwelt als gleichrangig. Die Ziele der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Nachhaltigkeitsdimensionen stehen sich beim Rohstoffabbau oftmals diametral entgegen. Es ist ein Lackmustest für Konzepte der Green Economy oder Blue Economy, ob sie diesen Widerspruch überzeugend auflösen können. Nachhaltigkeitsziele sind seit 2015 in den UN-Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals, SDGs) international verankert und sollen den Kompass für die weitere Entwicklung aller Staaten – der Länder des Globalen Südens ebenso wie der des Globalen Nordens – darstellen.

Nationaler Aktionsplan "Wirtschaft und Menschenrechte" (NAP)

Die Bundesregierung hat mit dem Ende 2016 beschlossenen NAP erstmals einen Anlauf für die Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte genommen. Die Zivilgesellschaft kritisiert unter anderem, dass dem NAP verbindliche menschenrechtliche Sorgfaltspflichten für staatliche oder private Unternehmen fehlen. Stattdessen formuliert der Plan lediglich Erwartungen an Unternehmen zur freiwilligen Umsetzung (siehe freiwillige Standards). Ein Ziel des NAP ist, dass bis 2020 50 Prozent aller Unternehmen mit mehr als 500 Angestellten die menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten tatsächlich umsetzen. Sollte dieses Ziel nicht erreicht werden, behält sich die Bundesregierung vor, die Einführung gesetzlicher Maßnahmen zu prüfen. Auch bei der Verknüpfung von Menschenrechten mit der Außenwirtschaftsförderung und der öffentlichen Beschaffung bleibt der NAP weit hinter den Erwartungen der an den Konsultationen beteiligten NGOs zurück. Zivilgesellschaftliche Organisationen fordern, bei essentiellen Standards wie den Menschenrechten nicht weiter auf Freiwilligkeit zu setzen, sondern die Sorgfalt verpflichtend in Gesetzen zu verankern. Die Befürworter*innen von Freiwilligen Standards konnten bisher nicht nachweisen, dass sich mit diesen Maßnahmen effektiv die menschenrechtliche Situation in den Produktionsländern verbessern lässt.

Öffentliche Beschaffung

Einkauf von Waren, Dienst- und Bauleistungen durch die öffentliche Hand. Die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte ist seit der Vergabemodernisierung (auf EU-Ebene 2014, in Deutschland 2016) ausdrücklich geregelt und kann grundsätzlich auch entlang der Lieferkette von Produkten bis hin zu den Rohstoffen gefordert werden. Konsequent umgesetzt wird dies bislang nicht. Die Bundesregierung hat sich im NAP verpflichtet, einen verbindlichen Stufenplan zur künftigen Berücksichtigung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten bei der öffentlichen Beschaffung zu erarbeiten. Zudem kündigte die EU 2014 als begleitende Maßnahme zur EU-Verordnung zu Konfliktmineralien an, beim eigenen Einkauf von Produkten mit Rohstoffen auf die Einhaltung der OECD-Leitlinien oder vergleichbarer Sorgfaltspflichten zu bestehen und dies auch in den EU-Mitgliedstaaten zu fördern.

Ökologischer Rucksack

Addiert man alle Ressourcen, die von der Herstellung bis zur Entsorgung eines Produktes verbraucht werden, erhält man den ökologischen Rucksack. Dies soll als Vergleichsmaßstab zwischen verschiedenen Produkten und Dienstleistungen dienen und kann meist nur ungefähr abgeschätzt werden, da genaue Informationen bei weit verzweigten Lieferketten schwer bis unmöglich zu ermitteln sind. Unter anderem das verwendete Wasser geht üblicherweise nicht in die Berechnung ein, obwohl dieser Wert einen erheblichen Anteil an der Umweltwirkung eines Produktes haben kann.

Ein ähnliches Konzept ist der ökologische Fußabdruck, bei dem der theoretische Flächenbedarf eines Produktes oder einer Dienstleistung ermittelt wird. Das theoretisch über den gesamten Produktionsprozess verwendete Wasser wird in Form des virtuellen Wassers ermittelt.

Peak X

Bereits in den 1950er-Jahren wurde der Begriff „Peak Oil“ geprägt, um zu beschreiben, dass in absehbarer Zeit die maximale Fördermenge des begrenzten Rohstoffs Öl überschritten sein muss. Forscher*innen prognostizierten diesen Zeitpunkt zunächst für die 1970er-Jahre, bis heute wurde die Prognose immer weiter in die Zukunft verschoben. Durch die Entdeckung neuer Lagerstätten und Fördertechnologien (z.B. Fracking, tiefere Bohrungen, Förderung in der Tiefsee) konnte die Menge des geförderten Öls dennoch jedes Jahr (ausgenommen die Jahre globaler Wirtschaftskrisen) gesteigert werden, sodass „Peak Oil“ im Jahre 2017 noch nicht erreicht ist. Steigende Preise verdeutlichen jedoch unter anderem, dass der technische und energetische Aufwand zur Förderung der gleichen Menge Öl kontinuierlich zunimmt.

Neben Erdöl steuern prinzipiell alle nicht erneuerbaren Rohstoffe auf ein Fördermaximum zu. Je nach Rohstoff und Prognose wird dieses schon in einigen Jahren (einige seltene Erden, Phosphor, Gold) oder erst in vielen Jahrzehnten (Eisen, Kohle) erwartet. Nimmt man landwirtschaftlich nutzbare Böden bzw. Flächen mit in den Blick, so ist „Peak Soil“ bereits überschritten. Global werden weit größere Flächen degradiert und versiegelt als im gleichen Zeitraum erschlossen oder regeneriert werden.

Schwierigkeiten und Ungenauigkeiten bei der Abschätzung von Rohstoffreserven führen dazu, dass keine genauen zeitlichen Prognosen über das Fördermaximum verschiedener Rohstoffe möglich sind oder diese Prognosen regelmäßig an neue Daten angepasst werden müssen. Fakt ist jedoch, dass alle diese Rohstoffe begrenzt sind. Außerdem muss im Hinblick auf zu erreichende Klimaziele kritisch beurteilt werden, wie viele der fossilen Brennstoffe überhaupt verbrannt werden dürfen. Eine Reduktion ist dann schon vor Erreichen des technisch möglichen Fördermaximums notwendig.

Preisvolatilität

Preisvolatilität bezeichnet die Preisschwankungen auf dem Weltmarkt, die neben einer Vielzahl sogenannter Fundamentalfaktoren auch durch Spekulationen an der Börse beeinflusst sind.

Primärgewinnung

siehe Bergbau

Primärrohstoffe

Aus dem Bergbau gewonnene Rohstoffe (im Gegensatz zu Sekundärrohstoffen, die durch Recyclingverfahren zurückgewonnen werden).

Raffination

Technologische Verfahren, die einen Rohstoff zur Weiterverarbeitung in der industriellen Produktion vorbereiten.

Raw Materials Initiative (Europäische Rohstoffinitiative)

Im November 2008 präsentierte die EU-Kommission die europäische Rohstoffinitiative. Diese Strategie soll die Versorgungssicherheit der europäischen Industrie in Bezug auf mineralische Rohstoffe gewährleisten. Sie basiert auf drei Säulen: erstens der diskriminierungsfreie Zugang zu Rohstoffen auf dem Weltmarkt, zweitens die dauerhafte Versorgung mit Rohstoffen aus europäischen Quellen und drittens die Senkung des Primärrohstoffverbrauchs in der EU.

Rebound-Effekt

Bezeichnet und erklärt das Phänomen, dass das Einsparpotenzial im Rohstoffverbrauch durch Effizienzsteigerungen vielfach durch mehr Produktion und Konsum wieder aufgehoben wird. Obwohl durch Effizienz also weniger Ressourcen und/oder Energie pro Produktionseinheit verbraucht werden, steigt der absolute Rohstoffverbrauch trotzdem an, weil beispielsweise ein Produkt günstiger produziert und dadurch häufiger nachgefragt wird. So ist etwa der CO2-Ausstoß der deutschen Autoflotte seit 1990 nicht zurückgegangen, obwohl die Motoren effizienter wurden. Doch zugleich ist die Zahl der Autos angestiegen ebenso wie ihr Gewicht und ihre Ausstattung mit Extras, die wiederum mehr Energie verbrauchen.

Recycling

Technisches Verfahren, auch Sekundärgewinnung genannt, das die Gewinnung von Rohstoffen aus „Abfällen“ ermöglicht. Recycling spielt je nach Metall eine unterschiedlich bedeutende Rolle. Bei Aluminium oder Kupfer ist der Anteil der Sekundärgewinnung an der gesamten Produktion relativ hoch, bei Strategischen Metallen wiederum spielt Recycling noch keine bedeutende Rolle. Dennoch wird aufgrund der weiterhin steigenden Nachfrage nach Rohstoffen und dem Streben nach möglichst niedrigen Preisen hauptsächlich auf Primärgewinnung gesetzt, um den Rohstoffbedarf zu decken. Bei Kunststoff ist der Nutzen des Recyclings in Bezug auf die ökologische und soziale Bilanz umstritten.

Renaturierung

Während Bergbau immer einen Eingriff in natürliche Lebensräume darstellt, dessen Folgen teils unumkehrbar sind, bezeichnet Renaturierung den Versuch, die ökologischen Folgen in einem Gebiet, in dem vormals Bergbauaktivitäten stattgefunden haben, wieder soweit wie möglich auszugleichen.

Ressourceneffizienz

Mit dem Begriff Ressourceneffizienz wird das Verhältnis von eingesetzten natürlichen Ressourcen zu erbrachtem Nutzen in Form eines hergestellten Produktes oder erbrachter Dienstleistung beschrieben. So ist im Bereich der Computertechnologie die Ressourceneffizienz in den letzten Jahrzehnten drastisch gestiegen, da für die Herstellung eines Mikrochips mit höherer Rechenleistung wesentlich weniger Ressourcen (Silizium, Energie und andere) benötigt werden.

Prinzipiell ist eine höhere Effizienz ein erstrebenswertes Ziel, in der Praxis werden die eingesparten Ressourcen jedoch für eine Ausweitung des Konsums verwendet (siehe Rebound-Effekt), sodass der Ressourcenverbrauch bestenfalls konstant bleibt oder gar steigt. Obwohl die Ressourceneffizienz bei der Produktion von Mikrochips stark gestiegen ist, hat sich der Ressourceneinsatz in diesem Bereich durch eine Ausweitung der Einsatzgebiete und Verfügbarkeit in dieser Zeit insgesamt trotzdem stetig erhöht. Als Indikator für Ressourceneffizienz wird meist die Rohstoffproduktivität verwendet.

Ressourcengerechtigkeit

Ressourcengerechtigkeit ist ein ethisches Konzept, dass die Verteilung der Zugangs- und Nutzungsrechte von Ressourcen beschreibt. Das Konzept ist vielschichtig und genau wie der Begriff Gerechtigkeit nur schwer zu definieren. Wesentlich leichter fällt die Benennung von (vermeintlichen) Ungerechtigkeiten. Formal haben alle Menschen den gleichen Zugang zu Ressourcen auf den internationalen Märkten, faktisch wird vielen Millionen Menschen durch ungleiche Ausgangsbedingungen dieser Zugang jedoch verwehrt. Dies zeigt sich exemplarisch am Primärenergiebedarf: Der deutsche Verbrauch liegt mit 3,76 Tonnen Öläquivalent pro Jahr etwa 10 Mal höher als der eines Menschen auf dem afrikanischen Kontinent. Eine gerechte Verteilung der weltweiten Ressourcen auf dem Niveau des Verbrauchs der Industrieländer kann nicht funktionieren, denn so viele Ressourcen gibt es auf unserem Planeten nicht.

Neben der globalen Dimension von Ressourcengerechtigkeit gibt es außerdem eine generationenübergreifende. Verbrauchen die heute lebenden Menschen fossile Energieträger, so stehen diese zukünftigen Generationen nicht mehr zur Verfügung. Die resultierenden Umweltverschmutzungen und Treibhausgase in der Atmosphäre bleiben jedoch über mehrere Generationen hinweg erhalten.

Rückhaltebecken

Auch Tailings oder Auffangbecken genannt, liegen auf oder an dem Minengelände. Sie enthalten den Abraum, der häufig in sehr geringer Konzentration Rohstoffe enthält, die aber nicht ökonomisch gewinnbar sind (siehe Ressourcen). Abhängig von den Konzentrationen enthaltener Stoffe (beispielsweise Zyanid) reagiert der Abraum mit der Umwelt und birgt so je nach Bauart des Rückhaltebeckens ein erhebliches Kontaminierungsrisiko. Dabei können durch Wind (bei offener Lagerung) oder über Versickerung Schwermetalle, Säuren oder andere giftige, teils radioaktive Stoffe in die Umwelt entlassen werden. Das Versagen von Rückhaltebecken führt immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen, massiver Umweltzerstörung, Vergiftung von Flüssen und Verwüstung ganzer Landschaften, wie 2015 geschehen in Mariana.

Schmelze

siehe Hütte

Schwermetalle

Es existieren unterschiedliche Definitionen, die sich entweder auf die hohe Dichte, ein hohes Atomgewicht oder die toxische Wirkung des Metalls beziehen. Zu den Schwermetallen werden meist die Edelmetalle sowie Kupfer, Zinn, Zink, Blei, Eisen und Uran, aber auch Quecksilber (siehe Minamata-Konvention) gezählt.

Seerechtsübereinkommen der UN (United Nations Convention on the Law of the Sea; UNCLOS)

Dieses Übereinkommen ist die wichtigste völkerrechtliche Grundlage für den Schutz und die Nutzung der Meere als Gemeinsames Erbe der Menschheit. Es wurde 1982 verabschiedet und trat 1994 in Kraft. 167 Staaten sowie die Europäische Union haben das Abkommen ratifiziert.

Sekundärgewinnung

siehe Recycling

Tailings

siehe Rückhaltebecken

Terms of Trade

Verhältnis von Importpreisen zu Exportpreisen in einer Volkswirtschaft (zum Beispiel das Verhältnis des Preises, zu dem ausländische Rohstoffe eingeführt werden, zu dem Preis, zu dem inländische Rohstoffe an ausländische Staaten verkauft werden). Die Terms of Trade verschlechtern sich demnach, wenn die Preise für importierte Güter oder Rohstoffe stärker steigen (siehe Rohstoffspekulation) als für inländische Rohstoffe, die ans Ausland verkauft werden. Die Volkswirtschaft hat dann in diesem Bereich höhere Ausgaben als Einnahmen.

Tiefseebergbau (Deep Sea Mining)

Rohstoffabbau in der Tiefsee, Teil mancher Ansätze der Blue Economy. Die Tiefsee beginnt bei einer Meerestiefe von unter 200 Metern. Dort lagern mineralische Rohstoffe, die im Interesse aktueller Rohstoffpolitik stehen, vor allem Kobaltkrusten, Manganknollen und Massivsulfide. Den Rohstoffabbau in der Tiefsee nennt man Tiefseebergbau. Im Bereich der Hohen See hat noch kein Tiefseebergbau stattgefunden, allerdings sind zahlreiche Lizenzen zur Exploration von der Internationalen Meeresbodenbehörde an Staaten – unter anderem an Deutschland – vergeben worden.

Transparenz

Forderung nach frei zugänglichen Informationen und Rechenschaftspflichten von Politik und Wirtschaft über Abläufe, Vorhaben und Entscheidungen. Transparenz ist häufig eine notwendige Bedingung, um der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nachzukommen oder Korruption vorzubeugen.

Umsiedlungen

Bei der Erschließung neuer Lagerstätten oder dem Beginn eines neuen Bergbauprojekts wird Land vollständig umfunktioniert. Gemeinden, die vormals auf dem Gebiet gelebt haben, können nicht mehr dort leben und werden oft (zwangs)umgesiedelt. Damit verlieren die häufig von der Landwirtschaft lebenden Anwohner*innen nicht nur ihre ökonomischen Lebensgrundlagen. Der Prozess der Umsiedlung geht insbesondere bei indigenen Völkern oft auch mit dem Verlust spiritueller Anknüpfungspunkte einher. Bei dem Prozess der Umsiedlung (zum Teil gewaltvoll / ohne Konsens: Vertreibung) wird immer wieder von Menschenrechtsverletzungen und dem Brechen internationaler Normen wie dem FPIC berichtet.

Umweltbundesamt (UBA)

Umweltbundesamt (UBA) ist die zentrale Umweltbehörde in Deutschland, die dem BMU unterstellt ist. Zu ihren Kernaufgaben gehören die wissenschaftliche Unterstützung der Bundesregierung, der Vollzug von Umweltgesetzen und die Information der Öffentlichkeit. Vor allem ökologische Belange der Rohstoffpolitik und des Umweltschutzes beim Bergbau fallen in ihren Arbeitsbereich.

Urban Mining

Jede Stadt kann als gewaltige Lagerstätte unterschiedlichster Rohstoffe angesehen werden, die in Form von Gebäuden, Fahrzeugen, Infrastruktur, Gebrauchsgegenständen und Abfällen unterschiedlich lange gebunden sind. Urban Mining (zu Deutsch etwa „Städtischer Bergbau“) umfasst die Identifizierung, Quantifizierung sowie technische und wirtschaftliche Erwägungen zur Aufbereitung dieser Rohstoffvorkommen.

Das bereits vielerorts in unterschiedlichem Umfang praktizierte Recycling von Abfällen wie Glas und Papier ist dabei nur ein kleiner Teil des Urban Mining. Mengenmäßig wesentlich größere Potenziale liegen in der Rückgewinnung von Rohstoffen, zum Beispiel beim Abriss von Gebäuden oder der Instandsetzung von Infrastrukturen. Im Durchschnitt sind pro Einwohner*in viele Tonnen Rohstoffe in der Stadt gebunden und werden angesichts knapper Ressourcen und steigender Preise zunehmend attraktiv. Hinzu kommt ein überproportionales Wachstum der städtischen Bevölkerungen und damit der in den Städten gebundenen Rohstoffe.

Ziel des Urban Mining ist eine möglichst lückenlose mengenmäßige Erfassung aller städtischen Rohstoffe und eine weitgehende Schließung der Rohstoffkreisläufe unter Einbeziehung räumlicher (Wo sind die Rohstoffe gebunden?), technischer (In welcher Form sind die Rohstoffe gebunden?) und zeitlicher (Ab wann können die Rohstoffe wieder nutzbar gemacht werden?) Informationen.

Vergesellschaftung / Vergesellschaftete Rohstoffe

Rohstoffe, die in der Natur zusammen vorkommen. Bei dem Abbau eines Rohstoffs werden demnach oft auch ein anderer oder mehrere andere Rohstoffe gewonnen, sofern diese in abbauwürdigen Konzentrationen vorkommen und der Mehraufwand nicht zu hoch ist. Zum Beispiel wird beim Abbau von Zink (Hauptprodukt) auch Indium und Germanium gewonnen (Bei-/Nebenprodukt).

Verhaltenskodex

siehe Code of Conduct

Welthandelsorganisation (WHO); World Trade Organisation (WTO)

Internationale Organisation zur Durchsetzung und Regulierung von weltweiten Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit Sitz in Genf. Derzeit sind 164 Länder Mitglied der WTO. Hauptziele sind die Organisation und der Schutz verbindlicher Regeln des freien Welthandels sowie die Streitschlichtung im Falle von Handelskonflikten im Rahmen eines eigenen Streitschlichtungsverfahrens. Die von der WTO vertretene multilaterale Handelspolitik folgt dem Prinzip von Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung. Aus rohstoffpolitischer Sicht ist vor allem der Abbau von tarifären und nichttarifären Handelshemmnissen zu kritisieren, die einseitig als „Hemmnisse“ für den Rohstoffhandel betrachtet werden, ohne dabei ihre Bedeutung für die Länder des Globalen Südens zu berücksichtigen.

Wertschöpfungskette

Die Wertschöpfungskette bezeichnet die Abfolge von Aktivitäten, die durchgeführt werden, um Produkte oder Dienstleistungen zu konzipieren, herzustellen, zu vermarkten und zu betreuen. Der Wert nimmt entlang der Kette mit jeder unternehmerischen Aktivität zu. Viele rohstoffreiche Länder versuchen die Wertschöpfungskette im Land zu verlängern, somit Arbeitsplätze zu schaffen, und nicht einseitig vom Export der Rohstoffe abhängig zu sein.

Wiedernutzbarmachung

siehe Renaturierung

Zertifizierung

Verfahren, mit dem geprüft wird, ob gewisse Standards (zum Beispiel Sozial- und Arbeitsstandards, menschenrechtliche Sorgfaltspflichten oder Umweltstandards) eingehalten werden. Die Begutachtung und Bewertung wird Auditierung genannt. Werden die geprüften Kriterien erfüllt, wird das Bergbauprojekt bzw. die relevante Mine zertifiziert. Es gibt eine große Bandbreite an Zertifizierungsmechanismen mit unterschiedlichen Bewertungskriterien. NGOs kritisieren unter anderem, dass Audits häufig nicht von unabhängigen Instituten durchgeführt werden und die menschenrechtliche Bewertung oftmals mangelhaft ist. Im Kleinstbergbau ist es zudem sehr schwierig, die Minen zu identifizieren und zu zertifizieren, da diese häufig nur temporär bewirtschaftet werden und darüber hinaus extrem klein und auf breiter Fläche verteilt sind.

Zivilgesellschaft

Gemeinnützige Initiativen, Stiftungen, Verbände und Vereine, deren Engagement auf gesellschaftlicher Selbstorganisation von Bürger*innen beruht. Der AK Rohstoffe ist beispielsweise ein zivilgesellschaftliches Netzwerk aus mehreren NGOs. Staatliche Behörden sollten für einen fairen und transparenten Ausgleich aller gesellschaftlichen Interessen nicht nur profitorientierte Privatunternehmen oder deren Wirtschaftsverbände zu Rate ziehen, sondern ebenso die Zivilgesellschaft und andere gesellschaftliche Gruppen anhören.

Zoll

siehe Importzölle, Exportzölle

Abgabe an den Staat, die beim Übergang über eine Zollgrenze eines Landes oder ein Zollgebiet (zum Beispiel EU) zu zahlen ist. Zölle werden von der WTO generell als Einschränkung des internationalen Freihandels gesehen. Aufgrund von Umweltschutzmaßnahmen oder Arbeitsrechtsbestimmungen im Rohstoffbereich unilateral erhobene Zölle werden zu den unzulässigen tarifären Handelshemmnissen gezählt.

Zukunftstechnologien

Technologien, die eine vernetzte und somit digitalisierte Produktion (Industrie 4.0) möglich machen, aber auch Technologien im Bereich erneuerbare Energien oder Elektromobilität. Ob WLAN-Chips, Touchscreens, Lithium-Ionen-Batterien oder Sensoren: Die Technologien der Zukunft sind auf spezifische metallische Rohstoffe wie Lithium, Kobalt, Tantal oder Seltene Erden angewiesen. Die DERA prognostizierte in einer eigens den Zukunftstechnologien gewidmeten Studie die jeweiligen steigenden Rohstoffbedarfe; der BDI begründete seine jüngsten Forderungen nach Versorgungssicherheit unter anderem mit den Rohstoffbedarfen von Digitalisierung, Industrie 4.0 und E-Mobilität. Von einer Dematerialisierung im Zusammenhang mit diesen Technologien kann aber nicht gesprochen werden.