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Uhrzeit: 10:00 – 11:00 Uhr

Ort:
online

Veranstalter:
Rosa-Luxemburg-Stiftung
www.rosalux.de

Eintritt: kostenlos
Sa 03. Oktober 2020

Zur ökologischen Notwendigkeit einer Nachhaltigkeitsrevolution

Mit der Klimakrise spitzen sich Widersprüche der kapitalistischen Wirtschaftsweise zu: Das wichtigste Mittel zur Überwindung wirtschaftlicher Krisen, die Erzeugung von Wirtschaftswachstum nach den Kriterien des Bruttoinlandsprodukts (BIP), das immer mit steigendem Ressourcen- und Energieverbrauch einhergeht, hat ökologisch katastrophale Folgen. Diese Erkenntnis ist im Prinzip nicht neu. Der ökologische Gesellschaftskonflikt hat aber, so der Jenaer Soziologe Klaus Dörre, trotzdem eine neue Qualität, weil die Zeit für ein Gegensteuern knapp wird (laut IPCC wird zur Einhaltung des ein 1,5-Grad-Szenario bis spätestens 2050 ein vollständig dekarbonisiertes Wirtschaftssystem benötigt).

Hauptverursacher klimaschädlicher Treibhausgasemissionen in Deutschland ist, neben dem Energiesektor, Gebäudeemissionen und der Landwirtschaft, vor allem der Verkehr. Als einziger Wirtschaftssektor hat er bislang nichts zur Emissionsreduktion beigetragen. Es handelt sich dabei einerseits um einen Kern-Sektor des deutschen Kapitalismus, in dem eine nicht unerhebliche Anzahl von Menschen unmittelbar und eine noch größere Zahl mittelbar entlang der Wertschöpfungskette des Automobils beschäftigt ist. Andererseits sind aber auch Umbruchprozesse schon in vollem Gange: Der Abbau von Überkapazitäten in der Produktion zusammen mit geplanten Verboten für Verbrennungsmotoren, CO2-Grenzwerten und die beschleunigte Umstellung auf Elektroantriebe im wichtigsten Wachstumsmarkt China werden – gemeinsam mit der Digitalisierung und protektionistischen Handelspolitiken – zu einem weitreichenden Umbau des Wertschöpfungssystems Automobil führen. Die Corona-Pandemie hat diesen Prozess beschleunigt.

Dörre geht in seinem Vortrag der Frage nach, welche politischen Perspektiven sich hieraus für die Belegschaften insbesondere der Autoindustrie und ihrer Gewerkschaften ergeben könnten. Seine These: «…Gewerkschaften können eine progressive gesellschaftliche Rolle nur spielen, wenn sie sich zu Protagonisten einer Nachhaltigkeitsrevolution entwickeln. Ihre besondere Aufgabe besteht darin, ökologische Nachhaltigkeit durch einen Kampf auch und gerade für soziale Nachhaltigkeit zu befördern oder überhaupt erst möglich zu machen.»

Klaus Dörre ist Professor für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Er ist Mitautor einer aktuellen Studie zur Transformation der Auto- und Zulieferindustrie in verschiedenen deutschen Bundesländern und beschäftigt sich intensiv mit der Frage nach gewerkschaftlichen Strategien.

Die Veranstaltung findet als Präsenzveranstaltung für Teilnehmer*innen an einem Fachgespräch statt und wird parallel als Livestream auf unserer Facebook-Seite online gezeigt: www.facebook.com/RLSBW/live.

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