23. September 2019

Mobilität

2050 fahren alle in Elektroautos und das Klima ist gerettet? Zugegeben, die Frage ist polemisch. Doch auch Forderungen nach einer tiefgreifenden Verkehrswende werfen wichtige Fragen nach Ressourcenbedarf und -nutzung auf.

In Deutschland ist der Verkehrsbereich seit Jahren das Sorgenkind der Klimaschutzpolitik. Denn die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen, vor allem auf der Straße, stagnieren auf hohem Niveau. Statt Verkehrskonzepte im Zeichen der Nachhaltigkeit voranzutreiben, die den Fuß- und Radverkehr sowie den öffentlichen Personennah- und -fernverkehr vorrangig behandeln, stellt sich die Bundespolitik schützend vor die Automobilindustrie und den individualisierten Autoverkehr. Diskurse kreisen um Elektromobilität, Wasserstoffantrieb, Power-to-X-Technologien und Digitalisierung des Verkehrs.

E-Mobilität als Heilsbringer? Elektroautomobile sind im Schnitt wesentlich schwerer und damit materialintensiver als Pkws mit Verbrennungsmotor, der Bedarf an Kupfer liegt hier beispielsweise bis zu vier Mal höher. Wenn Millionen von Bussen, Lastkraftwagen, leichten Nutzfahrzeugen und Pkws elektrisch fahren sollen, darüber hinaus Fahrräder, Motorräder und Tretroller bald mehr und mehr unter Strom stehen, muss unbedingt danach gefragt werden, woher die Rohstoffe für diese Art der Verkehrswende stammen. Die gesamte Lieferkette und der Lebenszyklus von Batterien und anderen Komponenten für die Elektromobilität müssen unter die Lupe genommen werden:

Wie und unter welchen Umwelt-, Arbeits- und Menschenrechtsbedingungen werden Lithium, Kobalt, Nickel, Kupfer und weitere Rohstoffe in Ländern des Globalen Südens abgebaut? Wo und wie werden sie weiterverarbeitet? Wie lange wird eine Batterie genutzt? Und wie umweltverträglich lassen sich Akkumulatoren recyceln oder entsorgen?

Laut einer Studie des Öko-Instituts München zu Beginn dieses Jahres bleibt die Lithium-Ionen-Batterie auf absehbare Zeit das Speichermedium der Wahl. Insbesondere Lithium, Kobalt und Nickel sind von Bedeutung bei der Zellherstellung. Die aktuelle Jahresprimärförderung von Lithium beträgt 69.000 Tonnen (2017), die Reserven belaufen sich auf 14 Millionen Tonnen. Demgegenüber steht ein Bedarf von circa 250.000 Tonnen Lithium im Jahr 2030 und über 1.000.000 Tonnen im Jahr 2050. Bei Kobalt sieht die Situation ähnlich aus: Der Produktion von 120.000 Tonnen Kobalt und 6,9 Millionen Tonnen Reserven steht ein Bedarf von etwa 400.000 Tonnen im Jahr 2030 und 850.000 Tonnen im Jahr 2050 gegenüber. Der bergbaulichen Produktion von Nickel von 2,1 Millionen Tonnen und Reserven von 89 Millionen Tonnen steht ein Bedarf von rund 1,4 Millionen Tonnen im Jahr 2030 und 7,1 Millionen Tonnen Nickel im Jahr 2050 gegenüber.

Es ergibt sich also eine bedeutende Schnittstelle zwischen Mobilität und Ressourcenpolitik, die stärker ins Bewusstsein rücken muss.

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