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Newsletter #18, Juni 2025
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Liebe Lesende,
mit dem Antritt der neuen Bundesregierung beginnt eine Phase, in der ökologische Fragen in der Bundespolitik offenbar nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, etwa beim Umwelt- und Ressourcenschutz. Eine Chance kann jedoch die Kreislaufwirtschaft sein. Erste Einordnungen unserer Netzwerkpartner*innen zum Koalitionsvertrag findet ihr unten in den News. Aktuell arbeiten wir daran, tragfähige Beziehungen zum neuen Bundestag und den für uns zentralen Ministerien aufzubauen.
Deutschland muss zukünftig strengere EU-Vorgaben zur erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien umsetzen. Vor diesem Hintergrund planen wir im Juli einen thematischen Austausch im Rahmen eines offenen Calls, um Positionen aus dem Netzwerk zu bündeln und uns politisch zu positionieren.
Am 21. Mai fand unser zweites Netzwerktreffen statt. Aktuell erarbeiten wir gemeinsam mit Expert*innen Diskussionspapiere zu den Themenfeldern „Herstellerverantwortung“, „Bauen und Wohnen“ sowie „Reparatur“. Neben einem Einblick in den Stand der Arbeitsgruppen und Diskussionsprozesse bot das Netzwerktreffen auch Raum für strategische Debatten zur neuen Bundesregierung, inklusive Gesprächen mit Vertreter*innen aus dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit.
Auch auf EU-Ebene bewegt sich einiges: Mit dem Inkrafttreten des Critical Raw Materials Acts wurde eine Strategic Projects List verabschiedet, die zentrale Vorhaben zur Versorgung mit kritischen Rohstoffen priorisiert. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren und die Resilienz europäischer Rohstoffversorgung zu stärken. Gleichzeitig wirft die Auswahl der Projekte neue Fragen nach sozialen und ökologischen Kriterien auf. Mehr dazu in den News.
Wenn ihr Teil unseres Netzwerks werden wollt oder Fragen habt, meldet euch gern bei uns unter ressourcenwende@bund.net.
Viel Freude mit den folgenden News, Blogbeiträgen und Veranstaltungshinweisen wünscht euch
Euer Netzwerk Ressourcenwende |
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EU stuft 60 Rohstoffprojekte als strategisch ein: Kritik an Intransparenz und Umweltfolgen
Die EU-Kommission hat 47 Rohstoffprojekte in 13 Mitgliedstaaten – darunter mehrere in Deutschland – sowie 13 weitere außerhalb der EU als strategisch eingestuft. Diese Projekte sollen durch den Critical Raw Materials Act (CRMA) und mittels beschleunigter Genehmigungsverfahren sowie erleichterten Zugang zu Finanzmitteln gefördert werden. Ziel ist es, bis 2030 einen erheblichen Anteil des Bedarfs an strategischen Rohstoffen wie Lithium, Nickel und Graphit durch europäische Gewinnung, Verarbeitung und Recycling zu decken. Dafür sind Investitionen in Höhe von rund 22,5 Milliarden Euro erforderlich. Im Fokus stehen insbesondere Batteriemetalle, wobei zahlreiche Projekte mehrere Verarbeitungsstufen abdecken. Aufgrund der Aushöhlung von Genehmigungsverfahren und der verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt und die lokale Bevölkerung stoßen einige Vorhaben vor Ort auf Widerstand, etwa in Portugal, Serbien und Rumänien. Kritik kommt unter anderem von der Organisation PowerShift, die eine fehlende Beteiligung der Zivilgesellschaft und die Missachtung ökologischer Risiken bemängelt. |
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Koalitionsvertrag unter der Lupe
Mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen aus unserem Netzwerk, darunter Germanwatch, der WWF Deutschland und das Bündnis Exit Plastik, haben den neuen Koalitionsvertrag mit Blick auf Ressourcenwende und Kreislaufwirtschaft analysiert. Ihre Bewertungen zeigen, inwieweit die Vorhaben der künftigen Bundesregierung den Anforderungen an eine zukunftsfähige und umweltgerechte Rohstoffpolitik gerecht werden. Positiv hervorgehoben werden Fortschritte etwa bei der Stärkung der Kreislaufwirtschaft, gleichzeitig kritisieren die Organisationen fehlende Verbindlichkeit sowie unzureichende Maßnahmen zur absoluten Reduktion des Ressourcenverbrauchs. |
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Das neue EU-Energielabel für mobile Endgeräte
Ab dem 20. Juni 2025 tritt in der EU ein neues Energielabel für Smartphones und Tablets in Kraft, das neben der Energieeffizienz erstmals auch Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Robustheit bewertet – ein großer Fortschritt für nachhaltigen Konsum. Die Maßnahme ist Teil der neuen Ökodesign-Verordnung und fördert die Kreislaufwirtschaft durch verlängerte Gerätelebenszyklen, bessere Reparierbarkeit und weniger Elektroschrott. Verbraucher*innen profitieren nicht nur durch mehr Transparenz und geringere Folgekosten, sondern auch die Umwelt durch sinkenden Rohstoff- und Energieverbrauch. Das Fraunhofer IZM spielte bei der Entwicklung des Labels eine zentrale Rolle und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung in Europa. |
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Wenn private Haushalte mehr reparieren |
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Die Studie zeigt, dass ein „Recht auf Reparatur“ nicht nur ökologische Vorteile bringt, sondern auch neue Arbeitsplätze schaffen kann – vor allem in den Bereichen IT, Elektro, Textil und Mechatronik. Gleichzeitig verschärfen sich bestehende Fachkräfteengpässe, besonders für Kleinstbetriebe in der Reparaturbranche. Auch volkswirtschaftlich kann eine Reparaturwende lohnend sein – sofern die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Entscheidend ist, dass Reparieren zur gesellschaftlichen Normalität wird.
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Krisenfest, sozial, umweltgerecht: Deutschland braucht eine Suffizienzstrategie |
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Die EnSu-Forschungsgruppe skizziert mit ihrem Impulspapier eine nationale Suffizienzstrategie für Deutschland. Für die Handlungsfelder Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum werden konkrete Politikvorschläge entwickelt – mit Fokus auf soziale Innovationen statt nur technischen Lösungen. Entscheidend ist, Suffizienz nicht länger als individuelle Verzichtsfrage, sondern als kollektive Gestaltungsaufgabe zu begreifen. Dafür wird anhand von Erfolgsbeispielen aus Göttingen, Paris oder Neuseeland aufgezeigt, wie sich mit weniger Ressourcen ein gutes Leben für alle gestalten lässt. |
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Die Governance von Ressourcenschutzzielen in Deutschland |
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Ein hoher Ressourcenverbrauch führt zu großen Umweltbelastungen und dem zunehmenden Überschreiten planetarer Grenzen. Immer mehr Länder legen daher Ziele fest, um ihren Ressourcenverbrauch langfristig zu senken. Ende 2024 wurde mit der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) auch für Deutschland ein Zielrahmen gesetzt. Das Papier analysiert und stellt dar, welche Governance-Ansätze es bei verschiedenen Staaten gibt und welcher am besten geeignet erscheint, um die in Deutschland gesetzten Ressourcenziele zu erreichen.
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The Raw Materials Situation in Neighboring European Countries: Bosnia and Herzegovina, Serbia, Georgia, Armenia |
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Die Publikation analysiert die Rohstoffsituation in Bosnien und Herzegowina, Serbien, Georgien und Armenien – Länder im geopolitischen Spannungsfeld zwischen Ressourcenbedarf der EU und autoritären Tendenzen vor Ort. Sie zeigt, dass kritische Rohstoffe zwar zentral für die europäische Energiewende sind, deren Abbau aber häufig mit Umweltzerstörung, mangelnder Transparenz und Repression gegen zivilgesellschaftliche Akteure einhergeht. Die Studie fordert, soziale und ökologische Standards nicht den geopolitischen Interessen unterzuordnen.
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Die EU-Rohstoffpolitik: Testfall Serbien |
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Die geplante Rohstoffpartnerschaft zwischen der EU und Serbien rund um das Lithiumprojekt im Jadar-Tal ist ein geopolitisch bedeutsamer Testfall für europäische Rohstoffpolitik. Trotz öffentlicher Bekenntnisse zu Umwelt- und Sozialstandards mehren sich Proteste gegen mangelnde Transparenz, Repressionen und Umweltrisiken. Der Bericht fordert verbindliche Standards, klare Monitoring-Maßnahmen und eine Stärkung der Zivilgesellschaft. |
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Global Circular Economy. Reflections for a Just Transition. |
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Kreislaufwirtschaft könnte die gravierenden Auswirkungen unseres Ressourcenverbrauchs mindern und globale Abhängigkeiten lösen. Die Studie wirft einen genaueren Blick auf die verschiedenen Facetten der Kreislaufwirtschaft und will das Bewusstsein für mögliche Fallstricke in Bezug auf Gerechtigkeit und zunehmende Ungleichheiten schärfen, verschiedene Lösungen aufzeigen und eine Debatte darüber anstoßen, wie gemeinsam eine faire und effektive globale Kreislaufwirtschaft geschaffen werden könnte.
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Online-Austausch: Reparaturcafé gründen |
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Du möchtest ein Reparaturcafé gründen, weißt aber noch nicht genau, wie du starten sollst? Im Online-Austausch am 24. Juni 2025 bekommst du praktische Tipps, kannst deine Fragen stellen und dich mit Gleichgesinnten vernetzen. |
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Reparaturhauptstadt Berlin – Gemeinsam raus aus der Wegwerfkrise: Reparieren statt wegwerfen |
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Am 25. Juni 2025 lädt die Zero-Waste-Community zur kostenlosen Podiumsdiskussion unter dem Motto „Reparaturhauptstadt Berlin – Gemeinsam raus aus der Wegwerfkrise: Reparieren statt wegwerfen“ ein. Die Veranstaltung beginnt um 18:30 Uhr im Kiezraum in Kreuzberg. |
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18. internationale Degrowth-Konferenz |
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Vom 25. bis 27. Juni findet in Oslo die 18. internationale Degrowth-Konferenz statt. Das Hauptthema lautet: Aufbau einer sozial gerechten Postwachstumszukunft - Verknüpfung von Theorie und Handeln. |
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Essener Festival für Klimaschutz und Nachhaltigkeit »Gutes Klima Festival« |
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Am 28. Juni 2025 lädt das Gutes Klima Festival von 12 bis 18 Uhr auf das Gelände der Zeche Carl in Essen ein. Zum fünfjährigen Jubiläum erwartet Besucher:innen ein vielfältiges Programm rund um Nachhaltigkeit, Reparaturkultur und kreative Mitmachaktionen. |
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2. Bündnistreffen zum Thema Suffizienz |
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Die im April neu gegründete Initiative "KlimaGerecht Leben" lädt am 7. Juli zu ihrem zweiten Bündnistreffen zum Thema Kommunikation zur Suffizienz ein, bei dem auch die Petition #wenigeristfair vorgestellt wird. |
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6. Symposium des Netzwerks Konsum neu denken: Kreislaufwirtschaft und gesellschaftliche Beteiligung |
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Das Symposium am 26. September 2025 wird sich mit zentralen Fragen zur Stärkung und Weiterentwicklung von Konsuminitiativen befassen. Diese Initiativen fungieren als bedeutende Experimentierräume für nachhaltige Konsumpraktiken und demonstrieren deren Machbarkeit. |
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Podcasts und Medien - Unsere Tipps
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Land unter: Kampf um den Schatz in der Tiefsee |
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Der Podcast Enden: Land unter nimmt seine Hörer*innen in vier Folgen mit in die Tiefsee: Zu Visionär:innen, die glauben, dort die Lösung für die Klimakrise gefunden zu haben, und zu Menschen, die gegen den Rohstoffabbau unter dem Meeresspiegel kämpfen. |
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Kritische Rohstoffe – Europas Achillesferse? |
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In dieser Folge des C3-Radios geht es um aktuelle Entwicklungen: von der EU-Rohstoffpolitik und dem CRMA über Abhängigkeiten von China, Bergbau in Europa, Kreislaufwirtschaft und Recycling. Die entscheidenden Fragen: Was braucht es für eine gerechte Rohstoffwende? Wie kann Europa seine Versorgung sichern – und gleichzeitig den Ressourcenverbrauch senken? |
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Fast-Fashion aber Slow-Recycling? |
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Diese "Ressourcen neu denken"-Folge des DGAW-Podcasts beleuchtet das Textilrecycling, vielversprechende Verfahren und was Gesetzgebung noch leisten muss. Zu Gast sind Clara Löw (Senior Researcher, Produkte & Stoffströme, Öko-Institut e.V.) und Anna Hanisch (Referentin für Kreislaufwirtschaft, NABU e.V.). |
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Lithium in Europa: Gelingt ein nachhaltiger Kreislauf? |
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Ob in der Raffinerie, in einer Forschungsfabrik für Batteriezellen oder einer Recyclinganlage für Elektroauto-Batterien: An jeder Etappe zeigen sich technologische Herausforderungen für den Aufbau eines Lithiumkreislaufs. Die Arte-Dokumentation begleitet unter anderem Wissenschaftler*innen, die an ressourcenschonenden Methoden der Lithiumgewinnung forschen. |
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Manifest: #PLASTIKWENDE. Jetzt! |
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Das zivilgesellschaftliche Bündnis Exit Plastik setzt sich gemeinsam mit allen Zeichner*innen des Manifests für gesellschaftliche und strukturelle Veränderungen zur Lösung der Plastikkrise ein. Die geteilte Vision ist eine Welt ohne Schäden durch Plastik. |
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Lieferkettengesetz retten: Keine Gewinne ohne Gewissen – Menschenrechte und Umwelt schützen! |
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Das Lieferkettengesetz schützt Menschen weltweit vor Ausbeutung – und die Umwelt vor Zerstörung. Doch nun drohen Rückschritte: Die neue Bundesregierung will das Gesetz abschwächen. Auf EU-Ebene versucht sie mit weiteren Regierungen und Lobbygruppen, die Richtlinie in entscheidenden Punkten zu entkernen. Jetzt braucht das Gesetz unsere Unterstützung, denn der politische Wind hat sich gedreht! |
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Die Ressourcenwende möchte den Austausch zwischen der Zivilgesellschaft und Wissenschaft auf dem Gebiet der Ressourcenpolitik fördern. >>> |
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Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) – Friends of the Earth Germany
Kaiserin-Augusta-Allee 5 D – 10553 Berlin
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